Deutsche Artikel - Written by Claudia David on Thursday, October 30, 2008 5:53 - 8 Comments
Die Marke als Erlebnis - Ein Beitrag zum diskutieren.
von Claudia David, Clarity Planning
Jahrelang ging es im Marketing hauptsächlich darum einen hohen Bekanntheitsgrad, eine gute Lage und einen klaren USP zu haben. Dies ist natürlich immer noch wichtig, aber heute wollen die Menschen mehr. Verbraucher verlangen Inspiration und Innovation.
Um dieses Verlangen zu beantworten entwickeln Marken wie auch Händler immer wieder neue Erlebnisse, die zum Kauf und zur Treue anregen sollen.
Folglich suchen Unternehmen nach neuen Möglichkeiten ihre Marken darzustellen um so ihre Position im Markt zu stärken und mit Treue belohnt zu werden.
Markenpflege und Handel verschmelzen. Die Landschaft des Einzelhandels profiliert sich immer mehr durch Unterhaltung und neue Anstöße. Erlebnisreiche Einkaufskonzepte mischen neue Inhalte mit Kommerz.
Der folgende Beitrag soll einfach zum Nachdenken und weiteren Austausch anregen.
Die Welt der Erlebnisse explodiert.
Es gibt die verschiedensten Ansätze, Markenerlebnisse oder Erlebnismarketing zu kreieren. Sie strecken sich von Events, Internet, über Sponsorships, Ausstellungen bis hin zum eigenen Shop. Und genauso vielseitig wie die Form der Darstellung ist auch deren Ansatz.
Nicht der Verkaufsplatz sondern die soziale Gemeinschaft steht im Vordergrund
Apple wie auch Starbucks haben bewusst auf das soziale Umfeld und nicht auf den Verkaufsplatz gesetzt, als sie ihre Läden konzipiert haben.
Laut Howard Schulz* dem Gründer der Kette Starbucks, ist das Geschäft von Starbucks nicht der Kaffee, sondern ein Lebenstil,
Auch Steve Jobs* hat gesagt, das er nicht im Computer Geschäft ist, sondern im Lifestyle Business. So ist es auch nicht verwunderlich, das in Apple Stores nicht der Verkauf im Vordergrund steht, sondern der Austausch und das Networking unter Gleichgesinnten.
Design als Erlebnis
Immer mehr Marken beauftragen berühmte Architekten, Künstler und Designer ihre Geschäfte zu gestalten um so Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Erinnern Sie sich noch als der erste NikeTown eröffnet wurde? Es wurde als Paradebeispiel angesehen.
Hier ein kleiner Beitrag zu Nike Town Boot Abteilung: http://www.youtube.com/watch?v=pNIxjckrtPE
Auch Prada hat viel Aufruhr mit seinen wunderschönen und mutigen Läden in Tokyo und New York betrieben und wurde schnell zu einer „Must see“ Destination. http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/671/12659/
Weitere bemerkenswerte Beispiele sind das KaDeWe www.kadewe.com oder die neuesten Shopping- Malls, die Design, Architektur und Angebot immer wieder neu zusammensetzen. http://uk.westfield.com/london/?redirect=no
Aus dem Herzen der Marke
Ich bewundere immer wieder die Marken, die es geschafft haben nicht nur ihr Versprechen lebendig, sondern es zu einem wirklichen Erlebnis zu machen.
„Red Bull gives you Wings“, zeigt uns immer wieder wie die Marke „beflügelt“. http://www.redbull.de/
Das Maggie Kochstudio lädt in seinen eigenen Läden/Restaurants zu Kochkursen ein. www.maggi.de
Ikea macht das Wohnen leichter, und das Einkaufen ebenso. Die Zimmer sind fertig zusammengebaut mit vielen kleinen Ideen bestückt, die Kinder kann man in einer wunderbaren und beaufsichtigten Spielecke lassen. Und zu Essen gibt’s auch was!
Bei der Marke Lego dreht sich alles um Fantasien und Kreativität. Diese manifestieren sich in allen Bereichen; durch innovative Produktideen, im Shop und bei Legoland.
Aber nicht immer ist der Markenkern der erste Ansatzpunkt um ein Markenerlebnis zu kreieren. Manchmal ist er auch nur Teil von einem Größeren. Interessante Beispiel sind hierzu „Die Autostadt“ von Volkswagen, http://www.autostadt.de/portal/site/www/ oder das Guiness Storehouse wo nicht nur die Geschichte der Marke anfaßbar gemacht wird, sondern man auch etwas über seine Trinkgewohnheiten lernen kann. http://www.guinness-storehouse.com/
Zukunft & Visionen anfassbar gemacht
Menschen kaufen Marken aber benutzen Produkte. Und manchmal haben wir einfach viel größere Visionen und Möglichkeiten für die Marke, die man heute noch nicht zeigen kann. Um dieses zu tun, bieten sich Events oder Show-Stores ideal an:
Philips Sense & Simplicity Events: http://www.philips.com/about/brand/thesimplicityevent/index….
Sony Store Tokyo: http://picturetokyo.com/en/location/sony_building.html
Aber braucht jede Marke das Erlebnis als Selbstdarstellung? Und wenn ja, welche Form ist die Beste? Natürlich sollte jeder Schritt in diese Richtung mit der gesamten Marketingstrategie angepasst werden – kurz- und langfristig. Aber trotzdem frage ich mich, ob das Experience Marketing notdürftig oder nur eine andere Option im Gesamt-Mix darstellt?
Quellen: Fast Company, www.Designcouncil.org.uk , www.marketingatretail.com, http://www.gdruk.com/
Ihre Meinung?
Ich würde mich zu Kommentaren, Beispielen oder Fragen sehr freuen.
Vielleicht hätten einige von Ihnen sogar Lust dieses Thema (oder andere) bei einem Glas Wein weiter unter die Lupe zu nehmen?
8 Comments
Frank Bahn
Gabriele Schulz
Liebe Frau David,
ein sehr guter Gesprächsansatz, dem man einfach antworten muß. Die Entwicklung im Marketing ist schon erstaunlich. Mir scheint der Kreativität sind keine Schranken gesetzt.
Unsere Sinne sind geschärft und reagieren sehr sensible auf alles was uns täglich erreicht.
Ich vermarkte digitale Videowerbung, da erlebe ich täglich wie wichtig es ist visuell zuarbeiten, um die Aufmerksamkeit der Besucher zu bekommen. Die Hypnose ist uns dabei ein guter Lehrmeister.
Dennoch liegt der Erfolg eines Produktes nicht in der Kopie einer schon bewährten Erfolgsstrategie.
Gerade mit sozialem Engagement, trifft man nicht immer auf genügend Verständnis.
Es gilt Neues zu gestalten!
Die Anstrengungen, die der Handel betreibt um sich die nötige Aufmerksamkeit zu erkämpfen, ist sehr gewaltig und sehr lobenswert, so ist sie doch keine Garantie. Der gewaltige Verdrängungswettbewerb der bei uns herrscht, hat schon manchen Visionär enttäuscht aufgeben lassen. Viele Einzelschicksale bleiben zurück, weil die Menschen dem Erfolgsdruck nicht standhalten können.
Das Internet hat vielen Hoffnung gegeben und wird auch unsere Zukunft weiter bestimmen.
Hier gilt und das lese ich aus Ihrem Artikel heraus: “Gemeinsamkeit macht stark”.
Wenn alle erfolgreich werden - mehr oder weniger-,gibt es: weniger Verbrechen, weniger Erkrankungen, weniger Unglück. Es gibt noch viel zu tun!
Beste Grüße
Gabriele Schulz
Lukas Bigler
Guten Tag Frau David
Spannender Artikel und berechtigte Fragen. Ich bin auch nicht so sicher, ob das Thema Customer Experience nicht zur Zeit ein Hype ist. Ist persönlich bin davon überzeugt, dass die konsequente Gestaltung des Kundenerlebnisses die Grundlage für die Ausgestaltung eines sinnvollen Gesamt-Mix ist und schon immer war. Es gibt einfach Unternehmen, die dies besser als andere machen. Beispiele: Apple, Nespresso etc.
In unserem Unternehmen beschäftigen wir uns zur Zeit intensiv mit Customer Experience Design. Nicht mehr Produktmanager sind gefragt sondern Designer. Ist dies aber der richtige Weg oder einfach eine neue Bezeichnung für eine bekannte Rolle im Unternehmen?
Zudem sehe ich in meiner täglichen Arbeit klare Unterschiede zwischen dem Privat- und dem Geschäftskundenmarkt. Wie beurteilen Sie dies aus Ihrer Erfahrung?
Beste Grüsse aus der Schweiz
Lukas Bigler
Lukas Bigler
Hallo Frau David,
Ihre Beispiele passen. Jedoch habe ich das Gefühl, das diese Art der Darstellung (Event) vielfach diskutiert wird als die alleinige Kraft im Markt. Marken, die aber nicht profiliert sind, können auch über Eventmaßnahmen die Stellung im Markt nicht retten. Die Gefahr liegt also wirklich darin, dass viele meinen, es würde ausreichen, sich interessant und kreativ zu präsentieren.
Ich bin davon überzeugt, dass Sie das auch nicht so meinen. Ich wollte nur zur Vorsicht mahnen.
LG aus München
Hallo Frau David,
Ihre Beispiele passen. Jedoch habe ich das Gefühl, das diese Art der Darstellung (Event) vielfach diskutiert wird als die alleinige Kraft im Markt. Marken, die aber nicht profiliert sind, können auch über Eventmaßnahmen die Stellung im Markt nicht retten. Die Gefahr liegt also wirklich darin, dass viele meinen, es würde ausreichen, sich interessant und kreativ zu präsentieren.
Ich bin davon überzeugt, dass Sie das auch nicht so meinen. Ich wollte nur zur Vorsicht mahnen.
LG aus Münche
Hallo Herr Günther,
vielen Dank für Ihr Kommentar. Der Artikel sollte einfach nur zum Nachdenken und zum Austausch anregen.
Das interaktive Markenerlebnis, egal ob als Event, Shop oder in anderer Form, ist ein wichtiger Bestandsteil im heutigen Marketing-Mix und sollte so auch diskutiert und eingesetzt werden.
Mit freundlichen Grüßen,
Claudia David
Guten Tag Herr Bigler
Eine spannende Frage die Sie stellen.
Bevor ich dazu Stellung nehme, möchte ich noch eine Bemerkung zu der neuen Rolle (oder der neuen Bezeichnung) des Designers machen.
Konsequente Kundenerlebnisse fangen beim Design und der Vision an, und wie Sie selbst gesagt haben, die Grundlage für den Gesamt-Mix legen. Das Problem das uns heute oft beschäftigt, ist das Fehlen oder der Mut zu einer guten Designidee am Anfang eines Projektes. Manchmal gelingt es mit Hilfe des Marketing dieses zu verdecken aber immer öfter nicht - und vor allem nicht langfristig. Wie toll ist ein Plastik Ring, selbst wenn er in einer Tiffany Schachtel kommt?
Nun zu Ihrer Frage ob Unterschiede zwischen dem Privat-und Geschäftskundenbereich bestehen ? Auch hier stimme ich Ihnen zu.
Als Geschäftsperson habe ich andere Bedürfnisse und Kriterien wie als Privatperson. Allerdings gibt es - und sollte es - trotzdem Überschneidungen geben. Einmal, weil die selbe Person beide Rollen haben kann und zum anderen weil es sonst zu einer bipolaren Markenführung kommt.
Starke Marken stehen für eine! Idee in unseren Köpfen. Eine Marke (oder Unternehmen)muss darauf achten wie Sie glaubhaft und doch relevant in beiden Situationen sein kann. Die verschiedensten Maßnahmen sollten sich ergänzen und idealerweise Synergien schaffen. Natürlich ist dieses nicht immer machbar, aber es sollte das Ziel sein, oder? Wie sehen Sie das?
Viele Grüße aus Hamburg,
Claudia David
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Hallo Frau David,
ein sehr guter und inspiriender Artikel, den Sie da verfasst haben. Ich kann Ihre Ansätze nur bestätigen. Ich arbeite zwar im B2B-Bereich mit sehr erkärungswürdigen Produkten der Sepsis-Diagnostik in einem neu etabliererten und schnell wachsenden Markt der Molekularen Diagnostik. Aber auch hier haben wir inzwischen viele klassische Marketing Aktivitäten hinter uns gelassen und betreiben eine auch eine Art “Sozial oder Erlebnis” Marketing. Wir realisieren das zum Teil über 1-zu-1 Meetings mit Meinungsführen, individuelle und interesante Treffen mit Fachleuten. Es geht ja darum, eine Marke und Produkte mit Menschen und Emotionen zu verbinden.
Das entscheidende dabei ist, zu realisieren das diese Form von Marketing Aktivitäten absolut hohe Priorität bekommen und nicht einfach nebenbei laufen sollten, sondern mit absoluter Professionalität durchgeführt werden müssen. Seit dem haben wir ein wirklich starkes und aktives Netzwerk etablieren können, das uns den Markteintritt erleichtet, mehr Awareness bringt als klassische Kommunmikationsmittel.
Also nochmal Kompliment für den Artikel, und ich kann es auch aus B2B Sicht nur bestätigen, zwar mit anderen Mitteln, aber der Effekt ist der Gleiche. Es gibt ja auch seit Jahren die Ansicht, das die Kaufentscheidung nicht nur über Preis und Qualität getroffen wird, sondern in Zukunft mehr über soziale Aspekte der Marke und Produkte (umweltschonend, soziales Engagement u.v.m.) wird immer wichtiger und in diesem Kontext sehe ich Ihren Artikel.
Frank Bahn